Between the apple and the plate 2016-07-20T11:38:26+00:00

Between the apple and the plate
Begleittext zur gleichnamigen Ausstellung in Muenchen, 8/14 | Alexandra Grimmer

„ … Denn das Schöne ist nichts als des Schrecklichen Anfang, den wir noch grade ertragen, und wir bewundern es so, weil es gelassen verschmäht, uns zu zerstören.“ (Rainer Maria Rilke, aus der Ersten Duineser Elegie, 1923)
Die 19. Ausstellung widmet Headegg der 1980 in Österreich geborenen Bianca Regl. In den Serien „Folds“, „Stucco“ und „Wallpapers“ arbeitet die Malerin weiter entlang westlicher kultureller Wurzeln. Tapetenmuster vom Barock bis zur Jahrhundertwende spielen ebenso eine Rolle wie die Faltenwürfe von Vorhängen, die sie in Darstellungen alter Meister präzise recherchiert und in Zitaten umsetzt. Bianca Regl lebt seit 2009 in Peking, die Jahre davor verbrachte sie ab 2005 in Los Angeles und dann in Berlin.
In letzter Zeit reflektiert sie Szenen in Form von malerischer Verortung. Themen der Heimat wie beispielsweise die Zimmerwände aus ihrer Kindheit geraten in ihren Fokus. Es scheint eine unbeschwerte Reflektion der Künstlerin zu sein. Die Umsetzung in die Malerei erfolgt mit hohen formalen Ansprüchen, in der für sie üblichen perfektionistischen Technik. So erregten ihre Bilder schon seit den Jahren an der Akademie Aufsehen.

In ihren neuen Arbeiten setzt sie das Bild auf die malerischen Grundlagen zurück. Die Basis der Tapetenbilder entsteht durch Schablonen. In den Arbeiten passiert nicht viel. Die Konzentration der Malerin liegt beim Material, ihrer Hand und den Farben. Ihr Blickpunkt ist auf die Umsetzung der Muster mit schonungslos reduzierten Mitteln ge- richtet. Ähnlich der traditionellen chinesischen Darstellung von Landschaften und Szenen mit Menschen gibt es keinen direkten Fokus. Wie stille Kompositionen halten sich diese Bilder an der Ornamentik des Westens an und weisen dazu gleichzeitig einige chinesische Merkmale auf. Dennoch ist jede einzelne Arbeit sofort klar als ein Werk von Bianca Regl auszuweisen.
Dekor, Ornamentik und Kitsch sind Inhalte, die in der zeitgenössischen Kunst oft negativ belegt sind. Bianca Regl lotet diese Begriffe schon seit einiger Zeit aus. Was ist Dekora- tives und was ist Kitsch? Wo fängt es an?
(Alexandra Grimmer)