Zum Werk 2016-07-20T23:19:49+00:00

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Nicole Abler

„Die ersten Bilder die ich gesehen hatte, die für mich eine mögliche Auseinandersetzung mit Malerei offenlegten, waren von Maria Lassnig und Xenia Hausner […]. Das war das erste Mal, dass mir klar wurde, dass eine Malerei kein absolutes Objekt ist, ich begann zu verstehen, dass es sich um eine bewusste Serie von Bewegungen handelt.“1 

Die zentralen Sujets in den Malereien von Bianca Regl sind hauptsächlich Akte, Portraits und Stillleben. Figuren und Objekte aus dem alltäglichen Leben stellen die Grundlage ihrer malerischen Betrachtungen dar. Es geht Regl in ihren Arbeiten nicht um die Erzählung einer Geschichte, sondern vielmehr um die reine Ästhetik der Malerei. Bianca Regls Werk zeichnet sich durch ein Wechselspiel zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion aus, zwischen Bewegung und Stillstand und ihre Kompositionen beinhalten eine starke, lebendige Stofflichkeit. Ihre figurativen Malereien sind von einem unverwechselbaren, skizzenhaften Stil und dem Verzicht auf überflüssige Details gekennzeichnet, wobei sie sich auf das Einzigartige und Geheimnisvolle im alltäglichen Leben konzentriert. Ihre Hintergründe bleiben überwiegend neutral, nahezu monochrom, worauf die Bildsujets fast frei im Vordergrund zu schweben scheinen.

Dabei besteht die Faszination ihrer Malerei im Skizzenhaften und Unfertigen. Diese Nichtausformulierung und das auffällige und radikale Auslassen von Körperteilen werden in der Serie „Adam“ (2007) von der Künstlerin bewusst eingesetzt, um dem Betrachter ausreichend Raum für eigene Gedanken und Ergänzungen zu lassen. Bianca Regl spielt überdies mit Lichtreflexionen- und brechungen, denn betrachtet man ihre Bilder genauer, so wirken einzelne Partien der Wasserspiegelungen abstrakt. Der menschliche Körper, der sich in einem perspektivlosen, kulissenleeren Raum befindet, entsteht vor allem durch Details. Diese werden malerisch mit expressivem Farbauftrag ausformuliert, während hingegen andere Stellen grafisch und skizzenhaft belassen werden.

In der Bildserie „Freitag“ (2006) geht es der Künstlerin um die Modulation des Frauenkörpers und das Spiel mit dem Hell-Dunkel-Kontrast. In sehr reduzierter Farbigkeit tauchen die portraitierten Freundinnen aus dem schwarzen Grund hervor. Es entstehen somit Licht- und Schatteneffekte, die eine gewisse Entrücktheit und Dramatik bewirken. Die abgebildete Frau in der Mitte des Bildes sitzt mit selbstbewusster, nahezu arroganter Pose da. Obwohl ihr Blick direkt zum Betrachter gewandt ist, bleibt eine gewisse Melancholie und Nachdenklichkeit, ja sogar Isoliertheit spürbar.

Bianca Regl ist eine experimentierfreudige Malerin und ihre Arbeitsweise verändert sich stets. In der Ausstellung „Die Andere Sicht“ überraschte sie zum Beispiel mit farbintensiven Himmelsbildern, in welchen sich gleißende Sonnenstrahlen explosionsartig die Bahn durch magentafarbene Wolkengebilde brechen. Ihre neueren Arbeiten (2013/2014) gestaltet sie mit einer stuckaturartigen Oberfläche, indem sie die Ölfarbe mit Hilfe von Ornamentschablonen pastos aufträgt. Die Arbeiten der Serie „Folds“ (2014) zeichnen sich durch den Fokus auf Details von Faltenwürfen aus, die sie in Gemälden der Alten Meister findet. Die Stofflichkeit wird mit schimmernden, metallähnlichen Farben suggeriert, wobei dem Betrachter durch den pastosen und offenen Farbauftrag die Malerei noch mehr demonstriert wird.

 

 

1)  Bianca Regl im Interview mit James Krone, in: Bianca Regl. Rausch, Ausst.-Kat, Lukas Feichtner Galerie, Wien, 2008, S. 109.